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Stefan Jäger & Sherak Wanes

Porträt_Stefan Jäger & Sherak WanesStefan Jäger

 

Alter: 52 Jahre
Auslandserfahrung: 2011 habe ich durch Spendensammlungen Kindern in Jamaika den Schulbesuch ermöglicht. Im Rahmen von Urlaubsreisen nach Ägypten unterstütze ich dort Pferdehalter durch Spenden.
Erlernter Beruf: Frisör
Aktuelle Tätigkeit: Inhaberin eines Frisörsalons

 

Mein erster Kontakt zu Geflüchteten kam dadurch zustande, dass Miriam Venn mich anrief und fragte, ob ich einem Geflüchteten einen Praktikumsplatz anbieten könnte. Ich war im ersten Moment etwas skeptisch, habe aber zugesagt. In der Zwischenzeit hatte ich zwei Männer und eine Frau als Praktikant*innen in meinem Salon. Alle waren sehr nett und hilfsbereit, wir sind Freunde geworden.

Dann kam im Sommer 2017 Sherak als Praktikant zu mir. Er war ein Volltreffer! Nach einem langen Praktikum im Rahmen einer Einstiegsqualifizierung, das uns beiden Klarheit darüber bringen sollte, ob Sherak seine Zukunft als Friseur sieht, begann er 2018 seine Ausbildung. Inzwischen ist er im 3. Ausbildungsjahr. Er ist bei allen Kund*innen sehr beliebt und ein Gewinn für meinen Salon und auch für mich persönlich.

Meine Kund*innen gehen sehr offen und toll damit um, dass in meinem Salon Geflüchtete arbeiten. Einige meiner Kund*innen sind selbst bei der Flüchtlingshilfe Sprockhövel aktiv. Ich habe bis heute keinerlei negative Erfahrungen damit gemacht, den geflüchteten Menschen eine Chance auf eine Arbeit zu geben.

In Sprockhövel steht die Flüchtlingshilfe im Vordergrund, was die Unterstützung von Geflüchteten betrifft. Die Politik könnte und sollte hier mehr tun.

Solange es noch so viele negative Einstellungen gegenüber Geflüchteten und Migrant*innen allgemein gibt, wird das Thema Migration schwierig zu lösen sein. Die Angst der Einheimischen vor Lohndumping durch Zugewanderte sollte dadurch genommen werden, dass auch die Migrant*innen mehr Geld erhalten.

Durch den Kontakt mit Zugewanderten, speziell durch die Menschen, mit denen ich in meinem Salon zusammenarbeite, habe ich neue Freunde gewonnen. Sie haben mich durch ihre tolle Lebensart, ihre Mentalität und ihre Kultur sehr bereichert.

 

Sherak Wanes

Alter: 25 Jahre
Herkunft: Syrien
In Deutschland seit: September 2015
Erlernter Beruf im Heimatland: Informatik-Studium (ohne Abschluss)
Aktuelle Tätigkeit: Ausbildung zum Friseur (3. Ausbildungsjahr)

 

Ich bin wegen des Kriegs aus Syrien geflohen. Wäre ich in Syrien geblieben, hätte ich zum Militär gehen müssen, das wollte ich aber nicht. Deshalb habe ich Syrien verlassen. Ich bin über die Türkei mit dem Schiff nach Griechenland, von dort per Lkw, Zug, Bus, Auto, viel zu Fuß, über den Balkan bis nach Deutschland gekommen. Ich war fast 2 Monate unterwegs, bis ich in Deutschland ankam. Ich bin dann direkt nach Sprockhövel gekommen, weil mein Bruder schon hier wohnte.

Am Anfang konnte ich kein Deutsch, deswegen gab es Verständigungsschwierigkeiten und daher auch Missverständnisse. Anfangs war es hier sehr langweilig, weil ich die Aufenthaltsgenehmigung noch nicht hatte und deshalb keinen Sprachkurs besuchen durfte und nichts machen konnte. Inzwischen, seit ich Deutsch gelernt habe, ist alles gut.

Zu Anfang, als ich nicht viel machen konnte, wäre ich gern in eine größere Stadt gezogen, da man dort mehr Möglichkeiten hat, als in einer kleinen Stadt wie Sprockhövel. Inzwischen habe ich mich in Sprockhövel gut eingelebt und möchte hier bleiben.

Ich weiß ja nicht, was die Zukunft bringen wird. Wenn es möglich ist, möchte ich nach der Ausbildung im Salon bei meinem Chef bleiben und auch später den Salon übernehmen, wenn mein Chef sich zur Ruhe setzt. Irgendwann möchte ich eine Familie gründen, das gehört zum Leben.

Ich möchte ganz normal leben und nicht als Ausländer gesehen werden. Wir wollen alle in Frieden leben. Es gibt nur wenige Deutsche, die mir bisher das Gefühl gegeben haben, nicht dazu zu gehören. Mit der Zeit wird es immer besser.